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descriptionFrau mit Wärmflasche
Die Magenschleimhaut kann sich akut oder chronisch entzünden. An der chronischen Form ist oft der Magenkeim Helicobacter pylori schuld.
descriptionFrau mit Bauchschmerzen
Übelkeit und Schmerzen sind die typischen Anzeichen einer Gastritis. Die genauen Ursachen der Entzündung deckt der Arzt mit einer Magenspiegelung auf.
descriptionSalz- und Pfefferstreuer
Diät, Verödung oder Medikamente – ja nach Form der Gastritis greifen andere Therapien. Diszipliniert durchgeführt, sind sie meistens sehr erfolgreich.
descriptionSpritze
Experten suchen nach einem Impfstoff gegen Helicobacter pylori, um den Magenkrebs zu besiegen. Das Problem: andere Krankheiten könnten zunehmen.
descriptionHühnerbrühe
Gönnen Sie Ihrem Magen bei einer Entzündung eine Pause – mit Diät, etwas Schonkost und weniger Stress. Denn Gastritis kann auch Nervensache sein.
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Impfen gegen den Magenkeim

Ist es sinnvoll, das Bakterium Helicobacter pylori auszurotten? Einerseits könnten dadurch Magengeschwüre und Magenkrebs für immer verschwinden – aber dafür andere Krankheiten zunehmen, so das Dilemma der Forscher.

Im Überblick



Impfung gegen Helicobacter pylori

Der Keim Helicobacter pylori besiedelt seit Jahrtausenden den menschlichen Magen. Seit seiner Entdeckung in den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts diskutieren Wissenschaftler über die Vor- und Nachteile einer generellen Behandlung aller Infizierten, auch derjenigen, die keinerlei Beschwerden haben. Wenn über eine umfassende Prävention nachgedacht wird, so wäre eine Impfung am sinnvollsten. Bisher gibt es aber keinen Impfstoff, der bei Menschen getestet und für gut befunden worden wäre. Es gibt allerdings viel versprechende Ergebnisse aus Tierexperimenten, die eine Impfung grundsätzlich als möglich erscheinen lassen. Mit einer Impfung könnten die schweren Komplikationen einer Helicobacter-pylori-Infektion wie Magenkrebs verhindert werden.

Die Impfung wäre außerdem wesentlich kostengünstiger als eine flächendeckende Behandlung mit Antibiotika. Ein weiterer Vorteil der Immunisierung gegen Helicobacter pylori wäre, der Resistenzentwicklung des Bakteriums, die durch breite Antibiotikagabe begünstigt wird, vorzubeugen. Aber noch ist es nicht so weit. Bisher gibt es keinen Impfstoff, für den ein therapeutischer bzw. prophylaktischer Nutzen beim Menschen nachgewiesen werden konnte. Zwar arbeiten seit etwa zehn Jahren weltweit unzählige Wissenschaftler an der Entwicklung einer effektiven Impfung. Das Vorhaben ist aber schwieriger als angenommen, weil mit den bisher erprobten Verfahren kein ausreichender Schutz erzielt werden konnte. Dabei wäre es besonders wichtig, eine prophylaktische Impfung für Kinder zu entwickeln, denn die meisten Menschen, die unter einer Helicobacter-pylori-Besiedlung und ihren Folgen leiden, haben den Keim bereits in der Kindheit erworben. Aber es wird sicherlich noch ein paar Jahre dauern, ehe es einen sicheren, gut verträglichen und effektiven Impfschutz gegen Helicobacter pylori geben wird.
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Ausmerzung des Keims nicht sinnvoll?

Wissenschaftler spekulieren, dass es zwischen einer Verdrängung von Helicobacter pylori und einer Zunahme von Erkrankungen, die mit dem westlichen Lebensstil in Verbindung gebracht werden – wie Asthma, Übergewicht und Diabetes mellitus Typ II – einen Zusammenhang geben könnte. Außerdem scheint die Anwesenheit von Helicobacter pylori das Risiko für Durchfallerkrankungen und für die gastroösophageale Refluxkrankheit zu senken. Weiterhin ist beispielsweise in den USA zu beobachten, dass durch konsequente Behandlungsmaßnahmen gegen den Keim zwar die Rate von Magengeschwüren und Magenkrebs abnimmt, allerdings nehmen parallel dazu gastroduodenale Refluxkrankheiten mit ihren Folgen wie dem Speiseröhrenkarzinom zu. Wenn man Vor- und Nachteile einer Massenprävention gegeneinander abwägt, so scheint eine generelle Ausmerzung des Bakteriums nicht unbedingt notwendig, möglicherweise sogar unklug zu sein.
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Neue Medikamente gegen Resistenzen

Ein neuer Therapieansatz in der Helicobacter-pylori-Behandlung ist die sequenzielle Therapie. Dabei handelt es sich um eine duale Zehn-Tage-Therapie aus einem Protonenpumpenhemmer und Amoxicillin für fünf Tage, gefolgt von einer Triple-Behandlung aus Protonenpumpenhemmer, Clarithromycin und beispielsweise Tinidazol für weitere fünf Tage. Wissenschaftliche Studien konnten nachweisen, dass die sequenzielle Therapie Vorteile gegenüber der herkömmlichen Triple-Behandlung für eine Woche hat, indem deutlich mehr behandelte Patienten von dem lästigen Keim befreit werden konnten. Die sequenzielle Behandlung wirkt auch bei Patienten mit clarithromycinresistenten Helicobacter-pylori-Stämmen. Allerdings stammen die ausgezeichneten Ergebnisse allesamt aus italienischen Studien; es bleibt abzuwarten, ob die neue Behandlungsoption auch in anderen Ländern erfolgreich ist. Einer neuen Untersuchung zufolge hat sich die sequenzielle Therapie bei Kindern und jungen Erwachsenen, die nicht auf die herkömmliche Triple-Therapie angesprochen hatten, nicht bewährt.

Von den Antibiotika der neuen Generation scheinen insbesondere Finafloxacin und die neuen Fluorchinolone berechtigten Anlass zu Hoffnung zu geben. Im Labor und im Tierexperiment war eine entsprechende Monotherapie bereits erfolgreich, nun steht der klinische Test beim Menschen aus.
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Grafik: Heliobacter pylori
© Shutterstock
Eine Ausrottung von Helicobacter pylori, das Gastritis verursachen kann, könnte Magengeschwüre und Magenkrebs verhindern. Allerdings schützt das Bakterium möglicherweise vor anderen Erkrankungen wie Asthma, Übergewicht und Diabetes mellitus Typ II.
Tabletten, Spritze
© Shutterstock
Bei einer sequenziellen Therapie erhalten die Patienten verschiedene Medikamente in Kombination.